
Die Längsfassade des LYSP8 ist von der Traufe bis zum Sockel mit Ziegeln verkleidet. Da sie von mehreren abgebrochenen Altbauten stammen, unterschieden sie sich farblich.
Man muss zweimal auf die geschuppten Fassadenstreifen zwischen den roten, raumhohen Fensterläden des Wohnhauses LysP8 schauen. Es handelt sich um zweckentfremdete Dachziegel, die vertikal von der Traufe zum Sockel verlaufen. Dieses kreativ verspielte Bild hängt mit der Tatsache zusammen, dass die 300 m2 Ziegel der hinterlüfteten Fassade von drei rückgebauten Altbauten stammen. Das Haus auf dem Lysbüchelareal in Basel mit seiner einfachen Struktur aus neun 3.37 m breiten Modulen umfasst 27 Klein- und einige Familienwohnungen mit bezahlbaren Mietzinsen. Mieterin der obersten beiden Etagen ist die Stiftung Rheinleben, die Menschen mit psychischen Schwierigkeiten stärkt. Auf dem Areal befinden sich 14 weitere Parzellen; die meisten hat die Besitzerin, die Stiftung Habitat, an unterschiedliche Genossenschaften im Baurecht vergeben.
Bei der Gestaltung des Baus folgte Loeliger Strub Architektur der Logik von Design for Disassembly und Re-Use. Wie jene der Ziegel an der Fassade, so ist auch die Geschichte von rund 30 Materialien und Bauteilen eine der Wiederverwendung. Die von dem auf Kreislaufwirtschaft spezialisierten Büro Zirkular gesuchten Teile stammen von verschiedenen Orten in der Schweiz. So entnahm man bei Abbrüchen WC-Becken und Toilettenpapierhalter sowie Spülmaschinen und Küchenarmaturen. Die weissen, sehr langlebigen Forster-Küchen wurden aus einer Zürcher Wohnsiedlung demontiert und dann zwischengelagert, bis man sie im LysP8 einbauen konnte. Auch bei der von der Bauherrschaft vorgegebenen Holzkonstruktion wurden 400 m2 Brettschichtholzelemente eines alten Pavillons zu Deckenelementen umfunktioniert. Attika- und Hoffassade sind mit grossformatigen Eternitplatten aus Restposten verkleidet. Es gäbe noch eine Reihe weiterer Beispiele, die eindrücklich aufzeigen, dass es möglich ist, aus alten Teilen schöne Häuser zu bauen.
Suchen und finden: eine Annäherung
Es liegt auf der Hand, dass kreislaufwirtschaftliches Bauen nicht einfach ist. Die Koordination des Baus und die Abläufe mussten laufend auf die gefundenen Teile abgestimmt werden. Selten entsprach das, was man fand, genau dem Gesuchten. Meistens mussten die Architekten und Handwerker deshalb schnell reagieren. Das hiess umplanen und die gefundenen Teile anpassen oder sie mit neuen ergänzen, wie man das bei den Küchen gemacht hat: Die neuen schwarzen Fronten zeichnen sich sogar farblich neben den alten weissen ab.
Die Koordination des Baus und die Abläufe mussten laufend auf die gefundenen Teile abgestimmt werden.

Auf zwei Etagen ragen die vergrösserten Treppenpodeste gegen den Quartierplatz Volta Nord über die Fassadenflucht hinaus. Sie prägen zusammen mit den Balkonen das Bild dieser Gebäudeseite.

Die petrolfarbenen Fensterlaibungen bilden mit den roten Läden ein bewegtes Farbspiel, je nachdem, ob sie offen oder geschlossen sind.
Räumlich vielseitig
Die Architekten haben die Vorzüge der gefundenen Altbauteile gezielt inszeniert. So sind die Fassaden je nach Ausrichtung zur Strasse oder gegen den Hof individuell gestaltet. Auf der kürzeren Strassenseite beim Quartierplatz Volta Nord bestimmen eine vorgestellte Aussentreppe, Balkone und grosszügig auskragende Treppenpodeste die Gestalt. Auf der Längsseite entsteht ein hübsches Farbspiel durch die roten Fensterläden: Geschlossen sind die schrägen petrolfarbenen Laibungen sichtbar, geöffnet verdecken sie diese. Die Variationen sind sogar noch vielfältiger, denn jeder Laden ist in der Höhe zweigeteilt und kann ganz oder nur halb geschlossen werden.
Auf den Etagen reichen die Wohnungen von der Strasse bis in den Hof. Auf der längeren Gebäudeseite sind es sechs und gegen Volta Nord hin drei Module – eines fällt hier auf das Treppenhaus. In der Gebäudeecke befinden sich grössere Drei- oder Vierzimmerwohnungen mit einem Balkon. Links und rechts davon liegen die Kleinwohnungen, die aus einem einzigen Modul bestehen. Eine Nasszelle teilt diesen Raum in einen Eingangsbereich und in ein Schlaf- oder Wohnzimmer. Das Bad kann hier über Flügeltüren behindertengerecht erweitert werden.
Auch energetisch ist der Bau durchdacht. Das offene Treppenhaus mit den Erschliessungen ist unbeheizt, was Betriebsenergie spart. Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Ingenieur- und Managementschule HEIG-VD werden alle baulichen Massnahmen und die Emissionseinsparungen durch die kreislaufwirtschaftlichen Prinzipien dokumentiert und berechnet. Angaben des Architekturbüros zufolge liessen sich durch die Wiederverwendung rund 100 t CO2-e einsparen.

Die Wohnungen werden im Hof über Laubengänge erschlossen.
