Gaetano Pesce – eine mystische Gestalt

Ausstellung bei Paristurin in Zürich

Der verstorbene, italienische Designer Gaetano Pesce im weissen Hemd und Zipfelmütze

Gaetano Pesce ist 1939 in La Spezia geboren, studierte Architektur und Industriedesign in Venedig, später auch in London, Helsinki und Paris und lebte seit 1980 bis zu seinem Tod im Jahr 2024 in New York. Ab dem 28. Februar sind eine Auswahl seiner Entwürfe an der Ausstellung bei Paristurin in Zürich zu sehen.

Was bedeutet für dich gutes Design?

Demian Caviezel: Für mich gibt es einen Unterschied zwischen Designkunst und funktionalem Design. Beim ersteren ist es eine klare Haltung, die eingenommen wird. Das Objekt löst in mir Emotionen aus, geht mir ans Herz und lässt mich nicht mehr los. Ein funktionales Möbelstück muss für mich brauchbar, verständlich in seiner Gestaltung und im ästhetischen Ausdruck sein.

 

Wie kamst du zum ersten Mal in Kontakt mit Gufram, Memphis und Radical Design?

DC: Bereits mit vier Jahren bin ich durch meinen Vater in die Welt von Gufram und Memphis eingetaucht – und diese Faszination hat mich nie mehr losgelassen. 2021 habe ich im Memphis-Showroom in Mailand ein langes Gespräch mit dem damaligen Besitzer Alberto Bianchi geführt, denn ich wollte die Kollektion unbedingt in der Schweiz bekannt machen. Später war ich auch im ständigen Austausch mit Charley Vezza und seiner Frau Sandra, die seit 2012 Besitzer von Gufram sind, 2022 Memphis übernommen und Italian Radica Design gegründet haben. Gufram, Memphis und Meritalia sind heute Teil dieser Gruppe, die den radikalen und unkonventionellen Geist von historischen Designmarken bewahren und fördern will.

Sofa «Gli Amici»

Sofa «La Michetta»

Sessel «Senzafine»

Detail des Sessels «Shadow»

Du bist mit deiner «Agentur für Design» Schweizer Handelsvertreter von Gufram, Memphis und Meritalia. Was machen für dich die drei Designbrands so besonders?

DC: Es ist die Haltung, für die sämtliche Brands stehen – kompromisslos, eigenständig, ohne einem Trend folgen zu müssen! Meritalia oder Gufram zum Beispiel lehnen bewusst konventionelle Regeln ab und verwandeln gewöhnliche Gegenstände in aus­sergewöhnliche Ikonen. Es sind Objekte entstanden, die durch die Verschmelzung von Design, Handwerkskunst und Fantasie sowohl in ihrer Form als auch in ihrem Wert einzigartig geworden sind.

 

In deinem Arbeitsalltag bist du auch Gaetano Pesce begegnet. Wie würdest du ihn und seine Arbeit beschreiben?

DC: Ich hatte das Glück, ihn persönlich an einem Event von Gufram zu treffen – eine sehr mystische Gestalt. Seine Arbeit ist für mich furchtlos, mit einem Hang zum Schelmischen – er brach mit Konventionen. Dabei experimentierte er mit flexiblen Materialien wie Kunstharz, Polyurethanschaum und Plastik. In seinem kompromisslosen Design hält er mit politischen und sozialen Kommentaren nicht zurück. Er stellt sich gegen die Massenproduktion und verwischt die Grenzen zwischen Kunst und Design.

Die Leuchte Friend besteht aus gelb erhelltem Kunststoff und wirkt wie ein alienartiges, organisch geformtes Strichmännchen.

Leuchte «Friend» – alle gezeigten Leuchten aus der Edizioni del Pesce.

Detail der Kunststoffleuchte Friend, hier in zwei Blautönen.

Detail Leuchte «Friend» – hier in Blautönen.

gelbe Kunststoffleuchte mit Gesicht – Haare blau eingefärbt, Nase, Augen und Ohren in Rot.

Leuchte «Some of us»

Auch die gelb erhellte Kunststoffleuchte Salvator wirkt wie ein alienartiges Strichmännchen

Leuchte «Salvatore»

Wie ist die Idee einer Werkschau von Gaetano Pesce in der Schweiz bei Paristurin entstanden?

DC: Es war mir immer wichtig, die Möbel von Gufram und Memphis in der Schweiz bekannt zu machen. An der Interior-Design- Ausstellung «neue räume 2022» präsentierte ich dem Publikum Gufram und Memphis und anlässlich der Zurich Design Weeks 2022 organisierte ich eine Radical Design Party bei H100 in Zürich. Als Meritalia 2023 zur Gruppe Italian Radical Design gestossen ist, bin ich losgezogen und habe diese neue Kollektion den Händlern in der Schweiz gezeigt – viele kannten diese nicht. Benjamin Kurz, als Inhaber von Paristurin in Zürich, war einer der wenigen, der über Pesce und Meritalia ausgezeichnet Bescheid wusste. Bei ihm im Showroom waren einige «Senzafine»-Sessel zu bestaunen, auch Objekte von Gufram hat er verkauft. Benjamin war von der «Edizione del Pesce» von Meritalia von Beginn weg Feuer und Flamme. So kam die Idee einer Ausstellung immer mehr ins Rollen, passend zum 10-jährigen Jubiläum von Paristurin. Wir konnten trotz riesigem Aufwand Meritalia davon überzeugen, eine Sonderfarbe für eine Leuchte aus der limitierten «Edizione del Pesce» herzustellen – exklusiv für Paristurin. Die Ausstellung spiegelt das Rohe und Kompromisslose wider, das die Stücke ausstrahlen. Viele der Objekte aus der «Edizione del Pesce», einige davon limitiert, sowie «Masterpieces» von Pesce werden ausgestellt. Die Leuchten «Friend» und «Salvatore» oder die Sessel «Shadow» und «Senzafine» sind längst zu Lieblingsstücken von mir geworden. Ein Traum wurde wahr.

Demian Caviezel mit Mütze und Brille kauert vor einem Büchergestellt, in dem auch einige Objekte von Italien Radical Design stehen.

Demian Caviezel führt die Agentur für Design und vertritt in der Schweiz die Möbelbrands Gufram, Memphis und Meritalia – alle Italian Radical Design.

Die Vernissage findet am 28. Februar statt, die Ausstellung bei Paristurin an der Forchstrasse 179 in Zürich dauert bis Ende April.

www.paristurin.ch, www.agenturfuerdesign.ch, www.meritalia.it

 

Dieser und weitere spannende Artikel erscheinen in der kommenden Ausgabe von Das Ideale Heim, jetzt im Abo erhältlich.