Als ich zum ersten Mal nach Mallorca fliege, bin ich zehn oder elf. Meine drei Schwestern und ich haben so lange aktiven Widerstand geleistet, bis die Eltern in einen Sommerurlaub mit Sand, Strand und Meer eingewilligt haben. Bye bye Graubünden, it was fun while it lasted Bodensee. Ich sah mich schon auf einer dieser Gummibootbananen über das Wasser flitzen, nach Muscheln tauchen, das Buffet leeren und vielleicht würde man ja im hoteleigenen Mini-Kids-Club mein Entertainment Talent entdecken. Ich selbst hatte das schon vor Jahren, aber nun gut, manche Dinge brauchen Zeit. Was soll ich sagen. Nachdem ich mich auf der Hinreise erst im Flieger und dann im Transferbus zum Hotel übergeben musste, weil mein Magen einfach nicht fürs Reisen gemacht ist, stahl mir aufgrund meiner daraus resultierenden eingeschränkten Performancekunst im Mini-Kids-Club ein Mädchen mit dunklen langen Haaren die Show – grazil bewegte sie sich zu spanischem Dancefloor, während ich hilf- und orientierungslos übers Parkett pummelte. Die Tage darauf sollten nicht besser werden: Es war heiss, vier nörgelige Kinder und ein genervtes Elternpaar schoben sich in einem kleinen Seat ohne Klimaanlage irgendeinen Berg zu irgendeinem Aussichtspunkt hoch, weil, O-Ton mein Vater, man doch auch ein bisschen was von der Insel und ihrer Kultur kennenlernen und nicht nur am Strand herumliegen wolle. Meine ganze Hoffnung lag auf der Gummibootbanane, aber natürlich bin ich gleich in der ersten Kurve ins Wasser gepurzelt und wie ein hilfloses Walbaby zwischen unzähligen (deutschen) Urlauber:innen gestrandet. Das Sonnenbrandrot meiner Haut war schliesslich das einzige Souvenir, das ich mit nach Hause nehmen sollte, das, und ein ganz tiefgreifendes Verlangen im Jahr darauf wieder in die Berge zu fahren. Meinetwegen auch an den Bodensee.

Die luftige Terrasse des Iberostar Selection Es Trenc ist mit ihrem gläsernen Geländer zum Frühstück und Abendessen selbst bei fast ausgebuchtem Hotel ein Ort mit Privatsphäre.

Wenn es dunkel wird, kehrt Ruhe ein, dann sind in Colònia Sant Jordi die Strassen leer und die Träume süss.
Beim zweiten Mal wird alles besser
Nun also ein zweiter Versuch. Meine Wahl fällt auf das Iberostar Selection Es Trenc, knapp 45 Minuten vom Flughafen Palma entfernt. Ich sollte nicht enttäuscht werden, denn das Hotel ist ein Paradebeispiel dafür, warum das Inselimage der Ballermann-Bettenburgkultur einfach nicht mehr stimmt.
Nun könnte ich in aller Ausführlichkeit jeden meiner vier Tage beschreiben, doch es erscheint mir sinnvoller, auch in Anbetracht der Tatsache, dass die Lesezeit für diesen Artikel nicht die 10-Minuten-Grenze sprengen sollte, weil das von Google bestimmt wieder abgestraft wird, weil der Algorithmus denkt, der Mensch sei nicht mehr in der Lage, längere Texte zu verstehen, aber das ist ja wieder ein ganz anderes Thema und ich schweife ab. Also, es erscheint mir sinnvoller, ein paar Punkte herauszugreifen, die mich wirklich beeindruckt und die das Hotel nicht zu irgendeiner Unterkunft und Mallorca nicht zu irgendeiner Insel gemacht haben. Los geht’s.
Interiordesign
Was auffällt: keine Folklore, kein Kitsch und trotzdem fühlt man sich mallorquinisch. Innenarchitektin Raquel Gómez Delfa hat mit Stoffen, Möbeln und Beleuchtung intime Freiräume geschaffen. Warme Erdtöne und Beige verleihen jedem Zimmer eine ruhige Atmosphäre. Wenig stört den Blick. Kaum Dekoration, nur die natürliche Materialität der Möbel, Wände und Steinböden sowie Textilien in dezentem Grün durchbrechen sanft die Harmonie, ohne sie jedoch aus der Balance zu bringen. Der Blick aus jedem Zimmer geht direkt aufs Meer hinaus und erweitert den Raum optisch noch einmal. Gläserne Balkongeländer sorgen für maximale Offenheit, kein Zentimeter Sicht wird versperrt, jeden Morgen beim Erwachen blicke ich direkt auf und in ein sprichwörtliches Meer aus Blau. Diese Reduktion macht etwas mit mir. Es ist, als ob sie mir gleich von Beginn an den Wind aus den Segeln nimmt und mir auf unaufgeregte Art sagen will: Du bist angekommen – mehr ist gar nicht nötig.
Ein Grundbaustein der Iberostar Philosophie ist Lokalität. Gefördert und unterstützt wird das lokale Handwerk, wann immer möglich und ohne Kompromisse. Für den kompletten Wiederaufbau des Gebäudes, das ursprünglich aus den 1960er Jahren stammt, arbeitete Architekt Mateo Palmer mit einheimischen Steinmetzen, Tischlereien, Bauunternehmen oder Poolbauern.
Wave of Change
Das Thema Nachhaltigkeit wird im Hotel gross, nein, riesengross geschrieben. Nicht zuletzt dank Vizepräsidentin und Chief Sustainability Officer Gloria Fluxà. Die Tochter des Firmengründers leitet in gleichen Teilen gemeinsam mit ihrer Schwester Sabina, Vizepräsidentin und CEO, Iberostar und gründete das Wave of Change Programm. Im Mittelpunkt der Initiative steht die Weiterentwicklung eines verantwortungsvollen Tourismus sowie der Schutz von Menschen und Umwelt.
Jedes Zimmer im Iberostar Selection Es Trenc ist mit einem Energie-Überwachungssystem ausgestattet, so dass die Gäste auf einen Blick sehen, wie sich ihr Energieverbrauch verhält. Das Hotel ist zu 100 Prozent elektrifiziert und wird ausschliesslich mit erneuerbaren Energien betrieben. Das KI-gestützte Analysetool Winnow zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen analysiert die Rückgänge von Frühstücksbuffet und Abendessen, damit die Küche die Mengen entsprechend anpassen kann. Bereits über 90 Prozent der Fische und Meeresfrüchte stammen aus verantwortungsvollen Quellen, seit 2020 verzichtet die ganze Iberostar Gruppe komplett auf Einwegplastik. Wasser können sich die Gäste auf jedem Stockwerk an Wasserstationen holen: heiss, kalt, mit und ohne Kohlensäure und immer gefiltert.
Die Konsequenz mit der das Thema vorangetrieben wird sucht ihresgleichen. Was besonders beeindruckend ist: Nachhaltigkeit wird hier selbstverständlich gelebt und nicht als blosses Marketingtool instrumentalisiert.
Meersalz auf unserer Haut
Wer es tatsächlich schafft und sich aus einem der Liegestühle beim grosszügigen Pool loszulösen vermag, findet in der näheren Umgebung mit das Beste an Landeskultur, Freizeitaktivität und Gastronomie, das die Insel zu bieten hat. Beweisen kann ich das natürlich nicht, behaupten schon, einfach weil jede einzelne Station meine geschundene Mallorca-Seele gestreichelt und die traumatischen Erinnerungen an Gummibootbanane, Fast-Food-Paella und Bergfahrt des Grauens überschrieben hat. Hier also die Menschen, Dinge und Orte, die mir den Glauben an die Schönheit von Mallorca zurückgegeben haben.
Nun bin ich also am Ende angelangt. Und ich höre nicht auf, weil es am Schönsten ist, denn über die Gegend und das Hotel gibt es noch so viel mehr zu erzählen. Ich höre auch nicht auf wegen des oben erwähnten Algorithmuses, denn ich vertraue auf die Kraft des Schreibens und des Geschichtenerzählens, und dass auch Sie, liebe Leser:innen, es schaffen, einen Text mit mehr als 7000 Zeichen (Huch!) zu lesen. Ich höre auf, weil ich nicht im Vorfeld schon alles spoilern möchte. Denn im besten Fall fahren Sie selbst mal. Meine Eltern wollen auch da hin und was soll ich sagen: It's Mallorca, natürlich komme ich mit!
Vielen Dank dem Hotel Iberostar Selection Es Trenc und der Möglichkeit, die es mir gegeben hat, mein Trauma zu überwinden.

