Auf den ersten Blick sehen die Objekte von Jongjin Park weich aus, fast wie Textil – ausgefranste Kanten, sanfte Farbverläufe, Oberflächen, die an gefalteten Stoff erinnern. In Wirklichkeit ist es hartes, fest gebranntes Porzellan. Genau diese Täuschung ist der Ausgangspunkt der Arbeit des südkoreanischen Künstlers.
Seine Technik ist so ungewöhnlich wie einfach erklärt: Park taucht Küchenpapier in handgefärbten Porzellanschlicker und schichtet die Bögen zu dicken Blöcken auf, teils aus tausenden Lagen. Beim Brennen verbrennt das Papier vollständig. Übrig bleibt reines Porzellan, in dem Falten, Schichten und Druckstellen des Papiers verewigt sind. So auch bei Strata of Illusion, der Serie, mit der Park jüngst den Loewe Craft Prize 2026 gewonnen hat.
Bevor Park beim Papier landete, beschäftigte er sich lange mit der traditionellen koreanischen Moonjar-Keramik: jenen schlichten, runden Gefässen, die während der Joseon-Dynastie entstanden und bis heute als eine der bedeutendsten Errungenschaften der koreanischen Keramikkunst gelten.
Den entscheidenden Perspektivwechsel brachte dann sein Masterstudium an der Cardiff Metropolitan University. Weg von Seoul entwickelte er den Wunsch, die traditionellen Grenzen des Werkstoffs Keramik zu erweitern. Er begann mit alternativen Materialien zu experimentieren und fand in einem alltäglichen Material wie Küchenpapier den unerwarteten Gegenpol zum beständigen Porzellan.

Heute lehrt Jongjin Park als Assistenzprofessor für Craft & Collectible Design an der Seoul Women's University.
Park macht aus dem Vergänglichen etwas Dauerhaftes, aus dem Starren etwas Weiches. Gegensätze wie dünn und massiv, flexibel und starr oder vergänglich und dauerhaft bestehen in seinen Arbeiten gleichzeitig nebeneinander. Zwei Materialien, die eigentlich nicht zusammengehören, ergeben bei ihm ein neues Drittes — und genau darin liegt der Reiz seiner Objekte.
