Die Verbindung zwischen Architekt:innen und Stuhlentwürfen ist eine bekannte. Charles und Ray Eames, Ludwig Mies van der Rohe, Marcel Breuer oder Arne Jacobsen – sie alle haben neben Gebäuden auch Stühle entworfen. Vielleicht ist es die Nähe zum Menschen, die den Stuhl so reizvoll macht. Anders als ein Gebäude begleitet er uns direkt durch den Alltag – und lässt sich dabei immer wieder neu denken.
Das zeigt auch die fünfte Ausgabe des Wettbewerbs The Architect’s Chair, initiiert von Buildner. Eingeladen sind Architekt aus der ganzen Welt, einen Stuhl zu entwerfen, der die eigene Designphilosophie und Vision verkörpert. Gesucht waren Entwürfe, die das vertraute Möbelstück über Materialität, Handwerk, Ergonomie und Konstruktion neu denken.

Gefertigt aus Kork, lässt sich der Korkhocker am Ende problemlos recyceln.

Im Inneren verbirgt sich ein cleveres System zur Höhenverstellung.
Den ersten Platz holte sich der in Hongkong lebende und arbeitende Engländer Oscar Lahiff mit «Helical». Der Hocker reduziert das Prinzip des Sitzens auf einen zylindrischen Korkkörper und einen überraschenden Mechanismus: Durch eine Drehbewegung lässt sich die Höhe verändern – ganz ohne Gasfeder oder komplexe Beschläge. Kork ist dabei nicht nur Material, sondern Teil der Idee: warm, haptisch und am Ende wieder recycelbar.

«Cantilever» denkt den klassischen Freischwinger radikal neu.

Optisch leicht und strukturell stabil.
Marcus Hannibal Sigvardt, der in den USA lebt und arbeitet, holte sich mit seinem Entwurf «Cantilever» den zweiten Platz. Der klassische Freischwinger wird hier auf wenige Bauteile reduziert: Zwei gebogene Furnierschalen bilden die Konstruktion und lassen sich für Transport und Montage platzsparend zerlegen.

«La Chair» von Sunmin Kim überzeugt durch seine klare Formensprache und nachhaltige Materialwahl.

Die Sitzfläche aus pflanzlich gegerbtem Leder kann problemlos ausgetauscht werden.
Der dritte Platz ging an «La Chair» von Sunmin Kim aus Südkorea. Hier treffen ein klar konstruiertes Holzgestell und eine frei hängende Sitzfläche aus pflanzlich gegerbtem Leder aufeinander. Die Konstruktion ist so gedacht, dass einzelne Komponenten demontiert und ausgetauscht werden können. Gerade die abnehmbare Sitzfläche verlängert damit die Lebensdauer des Stuhls.

Mit seiner minimalistischen, strukturell ausdrucksstarken Formensprache gewann der «Jige Chair» den diesjährigen Student Award.

Mit «Anastasia» interpretierte Clay Anthony Te Bokkel den Loungechair radikal neu – und gewann den Sustainability Award.
Auch die Sonderpreise zeigen, wie unterschiedlich sich der Stuhl als Entwurfsaufgabe interpretieren lässt. Der Student Award ging an den «Jige Chair», der von einem traditionellen koreanischen Tragegestell inspiriert ist. Der Sustainability Award ging an den Loungechair «Anastasia», der unter anderem aus Eschenholz gefertigt ist, das vom Asiatischen Eschenprachtkäfer befallen war – und dem geschädigten Holz so ein zweites Leben gibt.
Letztlich zeigt sich: Der Stuhl ist klein genug, um ein Experimentierfeld zu sein, und komplex genug, um beinahe alle Fragen des Entwerfens auf einmal zu stellen: Wie trägt ein Objekt? Wie fühlt es sich an? Wie wird es hergestellt? Wie lässt es sich transportieren? Und was passiert, wenn ein Teil davon irgendwann kaputtgeht? Vielleicht liegt genau darin die anhaltende Faszination des Stuhls für Architektinnen und Architekten.
Die sechste Ausgabe von The Architect’s Chair findet in Zusammenarbeit mit der Stockholm Furniture Fair statt; die Gewinner werden am 10. Februar 2027 bekannt gegeben.

