
Die Eröffnung von «The Dome» markiert zugleich die Vollendung einer umfassenden Erweiterung des ARoS durch das Architekturbüro Schmidt Hammer Lassen.
Ein Loch im Dach – was im schlimmsten Fall ein Auftrag für den Dachdecker wäre und im besten ein geschickt platziertes Oberlicht, wird bei «As Seen Below – The Dome, a Skyspace by James Turrell» zum Mittelpunkt einer permanenten Kunstinstallation, die ihre Wirkung rein durch Raum, Licht und Luft entfaltet. Die Öffnung ist hier das Zentrum einer Architektur, die den Blick nicht zuletzt auf den Betrachter selbst zurückwirft. Mit diesem Werk hat das Kunstmuseum ARoS in Aarhus nun Turrells hundertsten Skyspace eröffnet – und seinen bislang grössten im Museumskontext.
16 Meter hoch und 40 Meter im Durchmesser misst die begehbare Kuppel, deren Monumentalität ARoS mit dem Pantheon in Rom vergleicht. Auch der Weg dorthin ist Teil der Choreografie: Besucher:innen gelangen durch einen unterirdischen Korridor in den Raum. Erst nach dem Abstieg öffnet sich die gewaltige, kreisrunde Halle nach oben. Die Architektur rahmt den Himmel und macht ihn zugleich fremd. Ohne Häuserkanten, Bäume oder Horizontlinien wird das Blau – oder Grau, Rosa, Schwarz – zur nahezu flachen Farbfläche. Der Himmel wirkt plötzlich nicht mehr fern, sondern wie eine bemalte und dennoch sich fortwährend wandelnde Leinwand direkt über den Köpfen.

Der 1943 in Los Angeles geborene Künstler James Turrell arbeitet seit den 1960er-Jahren mit Licht, Raum und Wahrnehmung. Seine Skyspaces rahmen den Himmel und machen das Sehen selbst zum Gegenstand seiner Kunst.
Gestalter des Blicks
Turrell arbeitet seit den 1960er-Jahren an diesem Spiel mit der Wahrnehmung. Licht ist bei ihm kein Mittel, um Architektur sichtbar zu machen; es ist sein Material. «Ich arbeite nicht mit Licht, um Licht zu formen», sagt er. «Ich arbeite mit Licht, um zu formen, wie wir wahrnehmen.» In «As Seen Below» wird dieser Satz unmittelbar erfahrbar: Der Raum liefert keine Objekte, keine Erzählung, keinen visuellen Fokus. Stattdessen wird das Sehen selbst zum Ereignis. Oder, wie Turrell es formuliert: «Du schaust dir selbst beim Schauen zu.»
Dass Turrell als junger Mann Pilot war, liegt als Erfahrungsschicht über seinem gesamten Werk. Schon damals faszinierten ihn die Horizontlinie sowie der Wechsel von Licht und Farbe mit Höhe, Wetter und Tageszeit. Er beschreibt das Fliegen als eine meditative Erfahrung – ein Aufgehen im Himmel und seiner unendlichen Weite. «Fliegen hat mich gelehrt, den Horizont als wichtige Grenze zwischen Erde und Himmel zu schätzen», erklärt er. «Es ist diese Linie, mit der ich in vielen meiner Installationen arbeite.»
Staunen in drei Akten
«As Seen Below» spielt auf drei Arten mit dem Licht: Bei «Åben himmel» bleibt der Blick nach oben frei, Wetter und Tageszeit bestimmen das Bild. Im Modus «Farveskift» schliesst sich die Öffnung, und künstliches Licht lässt die Wände optisch verschwimmen. Die buchbaren «Tusmørke»-Sequenzen bei Sonnenauf- und -untergang gewähren wiederum freie Sicht auf den Himmel, während sich die Lichtfarbe im Inneren langsam verändert – wodurch sich auch die Farbe des Himmels zu wandeln scheint.
In einer reizüberfluteten Welt ist diese Kuppel ein Ort der Reflexion und des Staunens. Sie lädt dazu ein, zu entschleunigen und die eigene Beziehung zu Licht, Himmel und Umwelt mit neuen Augen zu betrachten. Die Konzentration auf das Sehen selbst wird so zu einem wohltuenden Gegenpol – und ist vielleicht gerade deshalb so eindringlich.

