Es gibt keinen Abfall

Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit

Porträt der Architektin Barbara Buser in der Basler Markthalle. Sie trägt ein schwarzes Oberteil, eine Brille und einen markanten gelben Schal, während sie mit erklärenden Handgesten spricht. Im Hintergrund ist die belebte Halle mit Holztischen, Marktständen und Gästen in einer warmen, leicht unscharfen Atmosphäre zu sehen.

Vorbild: Mit Barbara Buser porträtiert Regisseurin Gabriele Schärer eine Frau, die selbstverständlich ihren Platz einnimmt.

Ihr Elternhaus war das erste Gebäude, das Barbara Buser vor dem Abriss rettete. Nach dem Studium verschlug es sie in den Sudan und nach Tansania. Dort lernte sie eine Lektion, die ihr gesamtes Schaffen definieren sollte: «In Tansania habe ich begriffen, dass es keinen Abfall gibt. Das, was der eine wegschmeisst, ist ein Rohstoff für den anderen.» Zurück in der Schweiz, bewies sie ihren Mut zur Unkonventionalität nicht nur als Architektin, sondern auch als erste Fährfrau auf dem Rhein.

Kurz vor der Jahrtausendwende gründete sie gemeinsam mit Eric Honegger das Baubüro in situ. Ihr Ziel war von Anfang an eine «Caring Economy» – eine Wirtschaft, die Fürsorge und Erhaltung über den reinen Profit stellt. Als ihr Meisterstück gilt das Gundeldinger Feld in Basel, eine ehemalige Maschinenfabrik, die sie in ein lebendiges Quartierzentrum verwandelte. Für ihre visionäre Arbeit wurde sie unter anderem mit dem renommierten Prix Meret Oppenheim ausgezeichnet.

Profit für die Gemeinschaft

Nicht die Nutzung eines Gebäudes ver­ursacht die meisten Emissionen, sondern dessen Erstellung, Unterhalt und der spä­tere Rückbau. Genau hier setzt Barbara Busers Praxis an. Wo andere abreissen, sucht sie nach Möglichkeiten, vorhandene Strukturen neu zu beleben. Aus ehemaligen Industriearealen entstehen urbane Lebensräume, ein offenes und lebendiges Stück Stadt. Ihr Ansatz zeigt, dass umweltschonendes Bauen nicht Hightech erfordert, sondern ein anderes Denken – eines, das den Wert des Bestehenden erkennt. Junge Berufskolleginnen wie Laia Meier bringen es im Film auf den Punkt: «Wir geben den Sachen nicht ­genug Wert.»

Umgenutzt: Mit geringen Kosten und reversiblen Massnahmen brachte das Baubüro in situ neues Leben in die alte Markthalle in Basel.

Beispielhaft: Die dreigeschossige, rot schimmernde Aufstockung der Halle 118 auf dem Winterthurer Sulzerareal ist ein Pionierprojekt für zirkuläres Bauen.

Tüftlergeist: Da gefundene Bauteile dem Entwurf oft nicht genau entsprechen, erfordert zirkuläres Bauen flexible Konstruktionen.

Hinzu kommt der soziale Aspekt von Busers Denkweise. Im Film erzählt Eric ­Honegger von der «unsichtbaren Gestaltung» – bei einer Umnutzung werden erst mal die Bewohner:innen des Quartiers eingeladen und zu ihren Anliegen und Wünschen befragt, denn jede Transformation soll schlussendlich der Gemeinschaft dienen. Deshalb spricht Buser von «Stadtrendite», einem Mehrwert, der sich nicht in Franken messen lässt: «Die Stadtrendite kommt allen zugute. Sie ist nicht in Geld ausgedrückt oder gemessen, aber es ist etwas, das eine Stadt lebenswerter, bunter, fröhlicher und vielleicht kühler macht.» Ihre Projekte schaffen so Begegnungsräume, offene Plätze und Orte, die ohne Konsumzwang funktionieren. Regisseurin Gabriele Schärer hat die Werke Busers bewusst in den frühen Morgen- oder Abendstunden gefilmt. In diesen Spaziergängen, auch mal bei völliger Ruhe, zeigt sich das Offene, Komplexe und Fragile ihrer Architektur am schönsten.

Alle Vorstellungen inklusive Special Screenings sind hier zu finden.

Ab dem 16. April in den Kinos: barbarabuser-film.ch