
Kongeniales Ehepaar: Aino und Alvar Aalto prägten Artek wie niemand sonst mit ihrer Schaffenskraft.
Walter Gropius, Architekt und Bauhaus-Gründer, prägte in den 1920er-Jahren den Ausspruch: «Kunst und Technik – eine neue Einheit.» Die Moderne strebte damals eine fruchtbare Verbindung dieser beiden Begriffe an. Unter Technik verstand man Wissenschaft und industrielle Produktionsmethoden, während der Kunstbegriff über die bildenden Künste hinaus Architektur und Design umfasste.
Die vier jungen Idealisten Alvar und Aino Aalto, die Künstlerin Maire Gullichsen sowie der Kunsthistoriker und Schriftsteller Nils-Gustav Hahl gründeten 1935 Artek, und dies mit dem Ziel, eine Synthese der Künste zu erreichen, den Alltag zu verbessern und die Moderne nach Finnland zu bringen – und gleichzeitig Alvar Aaltos nordische Interpretationen dieser Prinzipien in die Welt zu tragen. So formten sie aus den zentralen Begriffen «Kunst» und «Technik» den Namen «Artek». Sie starteten damals in ein einzigartiges Design-Abenteuer – natürlich um Möbel zu verkaufen, aber auch, um mit Passion eine moderne Wohnkultur zu fördern.

Alt und neu im Zwiegespräch: Der ikonische Hocker «60» wird seit 1933 ununterbrochen von Artek produziert...

...und hat sich weder in Material noch in Form wesentlich verändert.
Die Basis dieser einzigartigen Möbelgeschichte aus dem hohen Norden bildet die immense gestalterische Schaffenskraft von Alvar Aalto selbst. Seine Pionierarbeit, ganz im Geiste der grossen Architekten des 20. Jahrhunderts, trug massgeblich zur weltweiten Verbreitung nordischen Designs bei, inspirierte Generationen von Designer:innen und bildete den Kern des Erfolgs von Artek. Auch heute noch ist Alvar Aalto für den finnischen Hersteller von zentraler Bedeutung – sowohl durch die zeitlosen Entwürfe, die einen Grossteil der Kollektion ausmachen, als auch durch den anhaltenden Einfluss seines gestalterischen Erbes. Charakteristisch für Alvar Aaltos Werk ist das System standardisierter Einzelkomponenten, die sich zu einer umfassenden Möbelkollektion zusammensetzen lassen. Die Möbel werden gemäss der Vision von Aalto gefertigt, moderne Produktionsmethoden mit handwerklichem Können und sorgfältig ausgewählten Materialien verbunden. Regionale Beschaffung hat für Artek stets höchste Priorität, gewährleistet eine ethische Produktion und unterstreicht den hohen Qualitätsanspruch.

Alvar Aaltos Design-Erbe: Hocker «Stool 60» (1933), Bank «Bench 153A» (1945), «Tank Chair» (Armchair 400: 1936), «Aalto-Tisch» (Table rectangular: 1933) – diese Stücke werden alle heute noch von Artek produziert. Der Stuhl «403» (1932, rechts im Bild) ist ein Vintage-Stück, das nicht mehr hergestellt wird. Sämtliche Designklassiker – von vintage bis neu produziert – sind bei H100 erhältlich.
Die meisten Produkte werden in Finnland aus heimischem Holz gefertigt – einige aus Kiefer, die meisten aus Birke. Die finnische Birke wird lokal angebaut sowie verarbeitet und durchläuft so einen sorgfältig gewählten Weg vom Wald zum Möbelstück. Wie jeder Baum seine besondere Maserung besitzt, ist auch jedes Artek-Möbel einzigartig. Diese natürliche Unvollkommenheit verleiht jedem Stück den unverwechselbaren Charakter. Alvar Aalto hat sich der Entwicklung radikal moderner Holzmöbel verschrieben. Zu diesem Zweck führte er Ende der 1920er-Jahre mit dem Tischler Otto Korhonen zahlreiche Experimente durch, um spezielle Biegetechniken für Holz zu entwickeln. Diese Errungenschaften wurden über Jahrzehnte verfeinert und werden noch heute in der «a-factory» in Turku angewandt. So entwickelt Artek, damals wie heute, Produkte an der Schnittstelle von Design, Architektur und Kunst – klar, funktional, poetisch schlicht.

In der hauseigenen Schreinerei von H100 werden sämtliche Vintagemöbel so nah am Original wie möglich restauriert – so wie zum Beispiel dieser Hocker, den Alvar Aalto 1933 gestaltete.
Dieses Erbe bewahrt H100 in Zürich auf vorbildliche Weise – und zwar das Gestern wie auch das Heute. «Die Verbindung von Vintage und neuen Möbeln ist für uns ein zentraler Wert», beschreibt Fabio Dubler von H100. «Zeitlosigkeit ist für uns eine Haltung, damit bleiben Designklassiker über Generationen relevant. Klassiker sollen zudem genutzt werden und nicht nur ausgestellt sein. Patina verleiht Objekten Charakter und Einzigartigkeit. Für uns ist gute Gestaltung eine langfristige Investition.» So betreibt H100 in einer ehemaligen Tiefgarage im Herzen von Zürich sein «H100 Openstorage». In diesem Möbellager vereinen sich die Bestände der Kultläden Bogen33, Viadukt*3 und Memorie.ch. Openstorage versteht sich einerseits als ein Museum für Designobjekte, andererseits auch als Inspirationsquelle für die Gegenwart. Durch die Gegenüberstellung von Original und Re-Edition wird Design zum sichtbaren Ausdruck von Zeitgeist. Hierbei steht Bogen33 als Showroom für eigens restaurierte Vintage-Objekte und Memorie.ch für die Neuproduktion ebendieser Designklassiker, die bis heute produziert werden. Auf insgesamt 3000 Quadratmetern können Besucher:innen in einen einzigartigen Möbelkosmos eintauchen.
Jedes Möbelstück im H100 Openstorage erzählt seine eigene Geschichte: von Biedermeier-Tischen aus der Zeit um 1860 über Raritäten der Bauhaus-Bewegung bis hin zu ikonischen Möbeln von Schweizer Manufakturen. Da die Ausstellung regelmässig umgestaltet und mit neuen Klassikern bestückt wird, sind stets neue Geschichten zu entdecken. Aktuell besonders im Fokus: die Möbelwelt von Artek.

Vielfältige Möbelgeschichten: Nur 100 Meter von H100 Openstorage (im Bild) entfernt, können Designliebhaber:innen in einen einzigartigen Möbelkosmos eintauchen. Auf einer Fläche von insgesamt 3000 m2 vereinen sich die Möbelbestände von H100, Bogen33, Viadukt*3 und Memorie.ch. Hier findet am Samstag, 30. Mai auch der Event «H100 × Artek – Schätze aus dem Designarchiv von damals bis heute» statt.
H100 × Artek
Am Samstag, 30. Mai, um 17 Uhr findet bei H100 die Vernissage zu «Schätze aus dem Designarchiv von damals bis heute» statt, dies mit Apéro und anschliessender Präsentation. Die Ausstellung an der Hohlstrasse 100 in Zürich dauert bis zum 30. Juli. Öffnungszeiten: Mo–Fr 11–18.30, Sa 10–17 Uhr.
