Es sind die Menschen mit ihren Möbelgeschichten, die Mailand im April mit kreativer Schaffenskraft und neuen Gedankenwelten erfüllen. Sei es draussen in den Hallen von Rho oder irgendwo in der pulsierenden Metropole – der Salone del Mobile 2026 ist (Design-)Leben pur!
Hannes Peer für Officine Saffi – Terrain: Für mich bildet dieser Salone fast einen Kontrapunkt zu all dem, was um KI herum geschieht – eine echte Rückkehr zu den Ursprüngen. Ich habe bei "Terrain – Ceramic Landscape" mit vier Materialien gearbeitet: Keramik, Massivholz, Glas und Marmor. Damit wollte ich mich von der ständigen Debatte um das Digitale abgrenzen. In Zeiten der Instabilität erdet uns das Material und führt uns zurück zu etwas Realem.
Christian Pellizzari & Nina Yashar für Nilufar Gallery – Wandleuchte Saffron Iridacee: Unsere Beziehung zu Glas begann aus reiner Neugier. Als wir beschlossen, damit zu arbeiten, war der beste Weg, direkt zu den Kunsthandwerkern zu gehen. Selbst heute noch, wenn wir eine Zeichnung präsentieren und bestimmte Ergebnisse für unmöglich halten, sind wir immer wieder überrascht, wie das Material reagiert und was die Meister damit erreichen. Wir haben grossen Respekt vor ihrer Arbeit und vertraue auf ihre Interpretation – ohne die intensive Zeit mit ihnen könnten wir unsere Tätigkeit heute nicht ausüben.
Edoardo Pandolfo & Francesco Palù für 6:AM – Installation aus Murano-Glas: Glas ist ein robustes und ausdrucksstarkes Material, das ein feines Gespür erfordert. Beim Design muss man behutsam und subtil vorgehen, sonst wirkt Glas schnell kitschig. Wir glauben, dass es keine Hierarchie gibt: Design und Material gehören zusammen – in unserer Welt ist das eine ohne das andere nicht denkbar.
Bethan Laura Wood für Baccarat – Kerzenhalter Mille Fleurs: Ich bin fasziniert von Materialien, die zwischen zwei Welten existieren: organisch und industriell, fliessend und strukturiert, von Hand geformt und doch von Systemen bestimmt. Kristall verkörpert diese wunderbare Balance zwischen der Natur des Materials und dem unglaublichen Wissen der Kunsthandwerker, die es verarbeiten.
Yabu Pushelberg für Extra Ordinario – Tisch Plateau aus der Elemento Collection: In einer Welt voller digitaler Bilder gewinnt Materialität mehr denn je an Bedeutung. Design wird erst dann real, wenn man es physisch erlebt – wenn man es berührt, darauf sitzt, sich darum bewegt. Es geht nicht mehr nur um das Bild, sondern um Präsenz: wie Objekte im Raum existieren, wie Materialien Tiefe, Textur und Schatten erzeugen und wie der Körper mit ihnen interagiert. Diese Beziehung verleiht Design Bedeutung und Beständigkeit.
Konstantin Grcic für Flos – Leuchte Nocturne: Meine Beziehung zu Materialien wurzelt in meiner Ausbildung zum Handwerker, wo ich mit Holz gearbeitet habe. Diese Erfahrung hat meine Denkweise geprägt, daher steht das Material immer am Anfang des Designprozesses. Ich betrachte Materialien nicht in ihrer elementaren Form, sondern als Teil eines Produktionssystems. Heutzutage ist die Designausbildung zunehmend digitalisiert. Handarbeit schafft ein Wissen, das unersetzlich ist. Es ist kein Wettbewerb, sondern ein Gleichgewicht.
Weitere Porträts über Designer:innen und kleine sowie grosse Möbelgeschichten finden Sie in der Juni-Ausgabe von Das Ideale Heim, jetzt am Kiosk oder in unserem Shop.

