Die Schweiz und ihre Nachbarländer sind reich an Architektur, die einen Ausflug mehr als rechtfertigt. Ob gefaltetes Betondach, schwebende Holzkonstruktion oder spektakulärer Museumsbau – diese acht Orte begeistern Architektur- und Designfans gleichermassen.
Maurerhalle, Gewerbeschule Basel
Die Maurerhalle von Hermann Baur ist wohl das eleganteste Beton-Origami der Schweiz. Gebaut 1961 als Teil der Allgemeinen Berufsschule Basel, besticht sie mit ihrem gefalteten Betondach. Nebenan, auf dem Pausenhof, lässt sich Hans Arps biomorphe Betonstele «Colonne aux éléments interchangeables» besichtigen.

Der von Durisch + Nolli Architetti entworfene Bau leuchtet im Kulturviertel von Chiasso – dank seinem charakteristischen Mantel aus U-Glas.
m.a.x. museo, Chiasso
Das m.a.x. museo von Durisch + Nolli Architetti ist ein Museum für darstellende und angewandte Kunst, das 2005 in Chiasso eröffnet wurde. Gewidmet ist es dem 1992 verstorbenen Grafiker Max Huber. Neben Grafik-, Design- und Fotografieausstellungen im Innern lohnt auch das Äussere einen genauen Blick: Umhüllt von einem Mantel aus U-Glas und von innen beleuchtet, wertet der Bau das gesamte Kulturviertel von Chiasso auf.

Ein Ort der Stille auf dem Vitra-Areal: Das Doshi Retreat lädt zum Innehalten ein.
Doshi Retreat, Weil am Rhein
Gleich über der Schweizer Grenze bietet das Vitra Design Museum Architektur- und Designfans ein abwechslungsreiches Programm. Zu den neueren Gebäuden auf dem Areal gehört das Doshi Retreat: Ein geschwungener Weg führt, begleitet von Gong- und Keramikflötenklängen, in den Meditationsraum, den Pritzker-Preisträger Balkrishna Doshi gemeinsam mit seiner Enkelin und deren Ehemann entworfen hat.

Alt trifft Neu: Herzog & de Meuron inszenierten die Erweiterung des Museum Küppersmühle bewusst als architektonischen Bruch.
Museum Küppersmühle, Duisburg
Bereits 1999 verwandelten Herzog & de Meuron eine ehemalige Mühle aus dem 19. Jahrhundert in Duisburg in ein Museum. 2021 erweiterten sie den Bau um zwei Baukörper unterschiedlicher Höhe mit 2'500 Quadratmetern neuer Ausstellungsfläche. Über Brücken sind diese mit den erstmals öffentlich zugänglichen historischen Silos verbunden – Alt und Neu werden dabei bewusst als klarer Bruch inszeniert.

Zwischen den Bäumen: Olin Petzolds minimalistisches Baumhaus aus Polycarbonat schwebt über dem Tessiner Waldboden.
Casetta Tessino, Loco
Wer einen Ausflug ins Tessin plant, sollte sich diese Adresse merken. Inmitten von Bäumen und mit Blick ins Tessiner Tal Loco hat Architekt Olin Petzold ein minimalistisches Baumhaus aus Polycarbonat entworfen, das im Sommer das Steinhaus Casa Tessino um ein zusätzliches Gästezimmer und Atelier ergänzt. Die dreieckige Holzkonstruktion schwebt über dem Waldboden, getragen von drei Bäumen, und bietet im Innern Platz für ein Doppelbett und einen kleinen Schreibtisch.

Sechs Stockwerke, ein Glasdach, kein Buch in Sicht: Santiago Calatravas Bibliotheksbau an der Universität Zürich überrascht.
Universitätsbibliothek Recht, Zürich
Von aussen lässt sich nicht erahnen, welch imposanter Raum sich hinter den Mauern der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich verbirgt. Wer durch die Schiebetüren tritt, sieht zunächst kein einziges Buch: Eine lichtdurchflutete Halle erstreckt sich über sechs Stockwerke bis zum Glasdach. Erst bei der Fahrt mit einem der beiden Glaslifte gibt sich die Bibliothek zu erkennen – auf den Galerien reihen sich Leseplätze und Buchbestände. Realisiert wurde der Bau vom spanischen Architekten Santiago Calatrava, eröffnet 2004.

Der puristische Kubus von Barozzi Veiga tritt selbstbewusst neben die historische Villa Planta – und fügt sich dennoch ein.
Bündner Kunstmuseum, Chur
Neben der renovierten Villa Planta, die seit 1919 als Bündner Kunstmuseum dient, steht ein prächtiger Erweiterungsbau: ein puristischer Kubus mit 4'000 m² Fläche, gekleidet in kassettierte Betonelemente. Der Neubau des Barceloner Büros Barozzi Veiga versteht sich als zeitgenössische Antwort auf die zwischen 1874 und 1875 erbaute Villa Planta – beide Bauten sind unterirdisch miteinander verbunden.

Weltarchitektur auf 20 Hektar: Der Novartis Campus vereint Bauten von SANAA, Frank O. Gehry, Rafael Moneo und weiteren Grössen der Architektur.
Novartis Campus, Basel
Der Novartis Campus in Basel ist für Architekturfans ein Muss. An dem 20 Hektar grossen Areal waren viele grosse Namen beteiligt – darunter SANAA, Frank O. Gehry, Rafael Moneo, Eduardo Souto de Moura und Fumihiko Maki. Besucht werden kann das Gelände im Rahmen einer Führung mit Basel Tourismus; Tickets sind im Voraus buchbar, Führungen sind ab 25. Juni möglich.

